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Positionierung im Tech-Bereich: Substanz statt Floskeln

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Authentizität statt Einheitsbrei: Wie man den echten Nutzen begreifbar macht

In der IT- und Software-Welt steckt der größte Wert oft im Unsichtbaren. Im Code, in der Architektur, in den stillen Entscheidungen, in der Art, wie ein Team denkt und arbeitet, in den Funktionalitäten, die im Hintergrund komplexe Probleme lösen. Genau dieser Wert muss nach innen und außen kommuniziert werden – und genau daran scheitern die meisten.

Das gilt nicht nur für reine Software-Häuser. Es gilt genauso für KMUs und andere Unternehmen, die intensiv digitalisieren, Software einsetzen oder eigene digitale Lösungen entwickeln. Überall dort, wo im Hintergrund viel Intelligenz, Handwerk und Denken steckt, entsteht die gleiche Herausforderung: Wie macht man den Effekt begreifbar? Wie zeigt man, was wirklich drin ist – statt nur zu behaupten, dass man „anders“ oder „innovativ“ ist?

Das Kernproblem: Oberflächliche Originalität statt echter Authentizität

Viele Marketing- und Positionierungsversuche im Tech-Bereich setzen auf Differenzierung um der Differenzierung willen. Man sucht nach dem einen Feature, dem einen Buzzword, dem einen Design-Detail, das einen vom Wettbewerb abhebt. „Wir sind leichter.“ „Wir sind moderner.“ „Wir sind die einzige Lösung, die X kann.“ Das Ergebnis ist oft das Gegenteil von dem, was man wollte: Alles klingt und sieht irgendwie gleich aus.

Authentizität ist etwas anderes. Authentizität bedeutet, dass man das, was tatsächlich innen drinsteckt – die Fähigkeiten der Menschen, die daran arbeiten, die Art des Denkens, die Qualität der Umsetzung, den realen Nutzen, der gestiftet wird – ehrlich und präzise hervorhebt und kommuniziert. Nicht, weil es „anders“ ist, sondern weil es wahr ist. Immer nur anders sein zu wollen, bleibt oberflächlich. Es erzeugt keine echte Resonanz. Authentizität erzeugt Vertrauen, weil der Empfänger spürt: Hier wird nicht verkauft, hier wird etwas gezeigt, das wirklich da ist.

Besonders fatal wird es, wenn die externe Kommunikation nicht stimmig oder sogar irreführend ist. Dann schreckt sie nicht nur potenzielle Kunden ab – sie demotiviert auch die eigenen Leute. Wenn Mitarbeitende merken, dass nach außen etwas behauptet wird, das innen so nicht gelebt oder gehalten wird, entsteht Distanz. Die Identifikation sinkt. Man steht nicht mehr voll hinter dem Produkt oder der Dienstleistung. Genau damit vernichtet man einen der stärksten Hebel in der Vermarktung: die interne Überzeugung.

Wenn dagegen alle intern zu 100 % hinter dem stehen, was kommuniziert wird, entsteht eine ganz andere Dynamik. Die Mitarbeitenden werden selbst zu Botschaftern. Sie erzählen glaubwürdig weiter, empfehlen in ihrem Netzwerk, übernehmen Verantwortung in Gesprächen und tragen die Positionierung in den Alltag. Das verstärkt die Wirkung über Delegation und Netzwerkeffekte massiv – weit über das hinaus, was bezahlte Werbung oder klassische Marketing-Maßnahmen allein erreichen können. Authentische Kommunikation nach außen beginnt also immer mit stimmiger Substanz und ehrlicher Haltung nach innen.

Warum Marketing und Positionierung für Tech-Produkte so schwierig ist

Auf dem Papier gibt es unglaublich viel, was man hervorheben könnte:

  • Die Menschen, die daran arbeiten – ihre Expertise, ihre Haltung, ihre Art, Probleme zu lösen.
  • Die Funktionalitäten und die technische Substanz – nicht als Feature-Liste, sondern als Wirkung.
  • Die Gedankengänge und Entscheidungen hinter dem Produkt – warum etwas so und nicht anders gebaut wurde.
  • Vor allem den Nutzen und Mehrwert, der konkret gestiftet wird.

Und trotzdem fühlt sich ein Großteil der Kommunikation wie Einheitsbrei an. Alle sind innovativ. Alle sind modern. Alle sind leichtgewichtig, skalierbar, benutzerfreundlich, zukunftssicher. Die Websites sehen ähnlich aus, die Claims klingen austauschbar, die Case Studies folgen denselben Mustern. Selbst die Ästhetik – die Farben, die Illustrationen, die Typografie – ist oft austauschbar geworden.

Warum passiert das?

Erstens: Tech-Wert ist abstrakt. Ein gut geschriebener Code, eine saubere Architektur oder eine durchdachte Integrationslogik fühlt sich für den Nicht-Techniker nicht greifbar an. Der Nutzen entsteht oft indirekt, über Zeit, über reduzierte Reibung, über weniger Fehler, über bessere Entscheidungen. Das ist schwerer zu verkaufen als ein greifbares Produkt.

Zweitens: Die Sprache der Macher und die Sprache der Entscheider klaffen auseinander. Entwickler und Architekten sprechen in Capabilities und Constraints. Käufer und Entscheider denken in Outcomes, Risiken und Business-Impact. Viele Marketing-Texte bleiben in der ersten Sprache stecken – oder springen zu aggressiv in die zweite und verlieren die Glaubwürdigkeit.

Drittens: Der Druck, „anders“ zu sein, führt zu oberflächlicher Originalität. Man sucht nach dem Unique Selling Point, statt die echte Substanz zu destillieren. Das Ergebnis sind Claims, die austauschbar werden, weil sie nichts Konkretes tragen.

Viertens: Viele Teams und Unternehmen unterschätzen, wie viel Übersetzungsarbeit nötig ist. Der Wert steckt im Hintergrund. Er muss aktiv, wieder und wieder, in die Sprache derer übersetzt werden, die ihn kaufen, nutzen oder intern vertreten sollen. Das ist anstrengend. Viele machen es deshalb nur halbherzig.

Was wirklich hervorgehoben werden sollte

Statt ständig nach dem „Was macht uns anders?“ zu suchen, lohnt der Blick auf das, was wirklich da ist:

Die Menschen und die Gemeinschaft. Wer arbeitet hier? Mit welcher Haltung? Welche Fähigkeiten fließen ein? Eine Positionierung, die die Menschen und die Art, wie sie zusammenarbeiten, sichtbar macht, ist schwer zu kopieren – und wirkt authentisch. Nicht als „Wir sind ein cooles Team“, sondern als konkrete Geschichten darüber, wie Entscheidungen getroffen, Probleme gelöst und Qualität gesichert werden.

Die Funktionalitäten und ihre Wirkung. Nicht die Feature-Liste, sondern die Übersetzung: Was wird dadurch möglich? Was wird einfacher, sicherer, schneller, klarer? Der Mehrwert entsteht nicht im Code selbst, sondern in dem, was der Code in der Realität der Nutzer bewirkt. Diese Wirkung muss erzählt werden – möglichst konkret, mit echten Beispielen.

Die Gedankengänge und das Handwerk. Warum wurde etwas so gebaut und nicht anders? Welche Abwägungen wurden getroffen? Welche Prinzipien leiten die Arbeit? Das zeigt Substanz. Es signalisiert: Hier wird gedacht, nicht nur Features ausgeliefert.

Der gestiftete Nutzen – und zwar der echte. Nicht der versprochene, sondern der erlebte. Case Studies, die nicht nur Erfolge feiern, sondern auch zeigen, wie der Nutzen konkret entstanden ist, schaffen Glaubwürdigkeit. Gerade bei KMUs und Digitalisierungsprojekten ist das entscheidend: Der Entscheider muss den Effekt fühlen können, bevor er den vollen Umfang der Investition sieht.

Authentizität in der Praxis – wie man dem Einheitsbrei entkommt

Authentische Positionierung beginnt innen. Man muss erst selbst klar haben, was die eigentliche Substanz ist – jenseits der Marketing-Sprache. Das erfordert ehrliche Reflexion: Was können wir wirklich besonders gut? Welche Wirkung erzeugen wir regelmäßig? Welche Haltung steckt hinter unserer Arbeit?

Dann folgt die Übersetzungsarbeit: Diese Substanz muss in die Sprache der Empfänger gebracht werden – ohne sie zu verwässern. Das bedeutet:

  • Weniger allgemeine Claims, mehr konkrete Situationen und Outcomes.
  • Weniger „wir sind innovativ“, mehr „so denken und bauen wir – und das bewirkt X“.
  • Weniger austauschbare Ästhetik, mehr visuelle und sprachliche Ausdrucksformen, die zur echten Substanz passen.
  • Regelmäßige Kommunikation nach innen und außen, die den unsichtbaren Wert immer wieder sichtbar macht – nicht nur bei Produktlaunches.

Besonders für Unternehmen, die Software stark nutzen oder digitalisieren, gilt: Marketing und Positionierung sind keine reine Verkaufsaufgabe. Sie sind die Brücke zwischen dem, was im Hintergrund geleistet wird, und dem, was innen und außen verstanden und geschätzt werden kann. Wer diese Brücke nicht baut, riskiert, dass der echte Wert unsichtbar bleibt – und damit unterschätzt, unterfinanziert oder falsch priorisiert wird.

Fazit

Marketing und Positionierung im IT- und Software-Umfeld sind schwierig, weil der eigentliche Wert oft abstrakt, komplex und unsichtbar ist. Viele reagieren darauf mit oberflächlicher Originalität – und erzeugen damit den Einheitsbrei, den sie eigentlich vermeiden wollten.

Der wirksamere Weg ist Authentizität: Das, was wirklich innen steckt – die Menschen, das Handwerk, die Funktionalitäten, die Gedankengänge und vor allem den konkreten Nutzen – ehrlich herauszuarbeiten und so zu kommunizieren, dass es begreifbar wird. Nicht, um anders zu sein. Sondern um wahr zu sein.

Wer das schafft, hebt sich nicht durch Lautstärke oder Design-Tricks ab. Er hebt sich ab, weil die Substanz spürbar wird – und weil die eigenen Leute hinter dieser Substanz stehen und sie weitertragen. Genau das ist in einer Welt voller austauschbarer Claims der eigentliche Unterschied.

Wie sich das im Verkaufsgespräch auswirkt, beschreibt der Beitrag Komplexe Software verkaufen; den operativen Rahmen dazu bildet Sales und Go-to-Market.

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