Selbsttest
Nachweisfähigkeits-Check: Was kann Ihr System im Ernstfall belegen?
Zehn Fragen aus echten Audits, Security-Fragebögen und Vorfallanalysen. Sie brauchen keine Unterlagen, nur eine ehrliche Einschätzung. Die Auswertung erscheint sofort auf dieser Seite.
Die Fragen sind bewusst binär gestellt. Ein „vermutlich schon“ zählt in einer Prüfung als Nein, weil der Beleg fehlt — deshalb gibt es hier dieselbe Härte.
Zu jeder Frage können Sie aufklappen, welche Anforderung dahintersteht und was in der Praxis meist stattdessen vorliegt.
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Ihre Auswertung
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Der Check ersetzt keine Prüfung und keine Rechtsberatung. Er bildet die Fragen ab, die uns in Projekten und Audits regelmäßig begegnen. Welche Regulierung für Sie konkret gilt, hängt von Branche, Größe und Rolle in der Lieferkette ab.
Antworten, die im Fragebogen gut aussehen
Vier Formulierungen tauchen in fast jedem Security-Fragebogen auf. Sie sind nicht falsch, und sie sind auch nicht als Täuschung gemeint. Sie signalisieren schnell, dass das Thema bearbeitet wurde, und heben das Gespräch auf eine prozessuale Ebene, auf der man nicht sofort in technische Details muss.
Gegen oberflächliche Fragen funktioniert das. Sie brechen erst bei der gezielten Nachfrage: „Zeigen Sie mir den Stand vom 14. März für diesen Datensatz — und wer damals welche Rechte hatte.“ Genau danach fragt dieser Check.
„Wir sind ISO-27001-zertifiziert.“
ISO/IEC 27001 ist der Standard für ein Informationssicherheits-Managementsystem. Er verlangt, dass Risiken systematisch bewertet, Maßnahmen definiert und dokumentiert und regelmäßig auditiert werden.
- Deckt ab
- Dokumentierte Richtlinien zu Logging, Zugriffskontrolle und Incident Handling. Risikobewertungen, Maßnahmenkataloge, interne und externe Audits des Managementsystems.
- Liefert nicht
- Eine Aussage darüber, wie gut die technischen Nachweise in einem konkreten System sind. Ein zertifiziertes Unternehmen kann veränderliche Application-Logs haben, keine Stichtags-Rekonstruktion können und bei einem Vorfall tagelang brauchen, um den Scope zu klären. Geprüft wird das Managementsystem, nicht die Fähigkeit, den Zustand vom 14. März unveränderlich zu belegen.
Offen bleiben: Fragen 1, 2, 3, 7
„Wir haben Audit-Logs und ein SIEM.“
Audit-Logs protokollieren, wer wann was getan hat. Ein SIEM sammelt Logs aus vielen Quellen, korreliert sie und erzeugt Alarme — es hilft bei Erkennung und Untersuchung von Vorfällen.
- Deckt ab
- Ereignisse werden aufgezeichnet. Es gibt eine zentrale, durchsuchbare Stelle. In vielen Fällen lässt sich nachvollziehen, dass etwas passiert ist.
- Liefert nicht
- Unveränderlichkeit — die meisten Application-Audit-Logs liegen in derselben Datenbank wie die Geschäftsdaten und sind für Admins und die Anwendung schreibbar. Vollständigkeit der Kette samt Auslöser. Den Stichtagszustand eines Geschäftsobjekts, denn ein SIEM zeigt Events, nicht Zustände. Den Rechtestand von vor sechs Monaten. Und Zugänglichkeit für den Fachbereich.
Offen bleiben: Fragen 1, 2, 3, 5, 10
„Tenant-Isolation ist implementiert.“
Mandantentrennung bedeutet, dass Daten und Aktionen eines Kunden strikt von denen anderer getrennt sind — im Multi-Tenant-SaaS die zentrale Sicherheitszusage.
- Deckt ab
- Es gibt eine Form der Trennung und die klare Absicht, dass Mandanten nicht ineinandergreifen.
- Liefert nicht
- Die entscheidende Unterscheidung: technisch durchgesetzt oder nur über Filterbedingungen im Anwendungscode. Läuft die Trennung über `WHERE tenant_id = …`, genügt ein vergessener Filter oder ein Bug. Echte Isolation — getrennte Datenbanken, Row-Level-Security auf DB-Ebene, Policy-Durchsetzung außerhalb der Anwendung — ist seltener und teurer. Das Wort „implementiert“ verschweigt genau das Wie.
Offen bleiben: Frage 4
„Bei Vorfällen haben wir einen Incident-Response-Prozess.“
Ein dokumentierter Ablauf für Sicherheits- und Betriebsvorfälle: Erkennung, Eindämmung, Analyse, Behebung, Nachbereitung — meist orientiert an NIST oder ISO/IEC 27035.
- Deckt ab
- Rollen, Eskalationswege, Playbooks, Kommunikationspläne. Damit ist die prozessuale Seite der Anforderungen aus NIS2 und DORA abgedeckt: Verfahren müssen vorhanden sein.
- Liefert nicht
- Die Fähigkeit, den Scope schnell und belegbar zu klären. Der Prozess sagt, dass analysiert wird. Er garantiert nicht, dass Sie binnen 24 Stunden benennen können, welche Mandanten und Datensätze betroffen sind. Fehlen unveränderliche Historie, schnelle Abfragbarkeit und Rechtehistorie, dauert die Analyse Tage — die Meldefrist läuft trotzdem.
Offen bleiben: Fragen 1, 5, 7
Der Gedanke hinter diesen Antworten ist nachvollziehbar: Man hat die organisatorischen Bausteine, die in Checklisten stehen. Der Check fragt stattdessen nach der technischen und organisatorischen Belegbarkeit im Ernstfall. Wer darauf früh „Ja, belegbar“ sagen und es zeigen kann, hat gegenüber Kunden in regulierten Branchen einen Vorteil, der sich nicht wegargumentieren lässt.
Häufige Fragen zum Check
- Werden meine Antworten gespeichert?
- Nein. Die Auswertung läuft vollständig in Ihrem Browser. Es werden keine Antworten übertragen, gespeichert oder ausgewertet.
- Wie belastbar ist das Ergebnis?
- Es ist eine Selbsteinschätzung, keine Prüfung. Der Wert liegt darin, die richtigen Fragen einmal bewusst durchzugehen — die meisten Lücken sind danach benannt, nicht mehr diffus.
- Was, wenn ich bei mehreren Fragen „Unklar“ ankreuze?
- Das ist selbst ein Befund. „Unklar“ heißt in einer Prüfung, dass der Nachweis im Moment der Frage nicht vorliegt — deshalb zählen wir es zu den offenen Punkten.
- Reicht eine ISO-27001-Zertifizierung nicht aus?
- Sie belegt ein funktionierendes Informationssicherheits-Managementsystem — also Richtlinien, Risikobewertung und Auditzyklus. Sie sagt nichts darüber, ob Ihr System den Zustand eines Datensatzes an einem bestimmten Tag unveränderlich rekonstruieren kann. Beides ist nützlich, aber es beantwortet unterschiedliche Fragen.
- Gilt das auch für uns, wenn wir nicht direkt reguliert sind?
- Meistens ja, nur indirekt. Sobald ein Kunde unter NIS2, DORA oder den AI Act fällt, gibt er die Anforderungen über Security-Fragebögen, Auftragsverarbeitungsverträge und Lieferantenprüfungen an Sie weiter. Der Auslöser ist dann kein Prüfer, sondern ein Deal.
Auswertung besprechen?
Schildern Sie Ihre Situation in ein paar Sätzen. Sie bekommen eine Einschätzung, ob und wo sich ein Schnitt lohnt — und wann er sich nicht lohnt.